Fortsetzung ROBERT ERTEL privat

Der ausgeprägte Sinn für das Wesentliche fällte das Weglassen leicht. Egal, ob Schmuck oder Technik. Es wurde reduziert in Formen, Zeiten und Wegen. Die Liebe zu schnörkellosem Gestalten wird schon in der Jugend geweckt durch Leistungssport im Eiskunstlauf.

Wir Designer erkennen in der Natur Vorgaben für neue Exponate. Meine Suche galt neuen Wegen der modernen, schlichten und zeitlosen Form: Finden der eigenen Formgebung in „waveline®", des Ausdrucks der fließenden Form und dem Spannungsfeld der Welle. Möglichst freie Fassung der Edelsteine, damit Volumenlicht die Schönheit und Farbe voll erscheint.

Die Maxime ist festgeschrieben: beste Qualität. Künst-lerische, perfekte Verarbeitung verlangt adäquates Material, da nur beste Basis den hohen Ansprüchen der Handarbeit am Einzelstück gerecht werden kann. Heute sucht man eine schwungvolle Formgebung mit Spannung und besonderem Wert.

Gestalten heißt: Mut zur Schönheit in Harmonie mit der Natur zu haben. Durch die Liebe zum Detail entwickelt sich aus Können reine Kultur.

Es gibt keine Steigerung des Originals. Es muss jemand ansprechen, ästhetisch, ausgefallen, unverwechselbar sein. Eine ausdruckstarke Leichtigkeit sollte gegeben sein, mit Charisma, Kanten und Ecken, untolerant, immer lebendig, jedoch harmonisch, ausgeglichen und konstruktiv, ehrlich, eben Understatement mit starkem Eigenleben.

Das Gestaltungsprinzip: weniger ist nicht möglich – mehr nicht nötig, ist unser Gebot.

Zeitlosigkeit heißt Reduzierung der guten Form und auf eine sich allzeit gültige Form verpflichtend fühlend. Man muss das verwendete Material respektieren. Die Herstellung eines guten Schmuckstücks ist ein Prozess, der nicht nur von einem, sondern von Mehreren in Gang gesetzt wird. Diskussionen sind erwünscht und formen den Zustand des Produkts.

Der Träger eines besonderen Schmuckstücks hat Stil und sollte eine Portion Selbstvertrauen mitbringen.

Schmuck macht einfach Charakter. Ein gutes Stück genügt vollkommen, um die Liebe zur Form auszudrücken.

Schmuck bildet deshalb ein mit bester handwerklicher Perfektion gestaltetes Exponat. Und man kann sich nur wundern über die relativ günstige Preisgestaltung – gegenüber den Massenwaren, die in Asien hergestellt oder aus dem Automaten fallen. Wenn unsere Ideen in Masse umgesetzt werden, stirbt natürlich der Indivi-dualismus auf Kosten des Preises.

Im Grunde sind Erfolg und Wohlstand unwichtiger als Scheitern und bittere Not. Dieses Problem der letzten 15 Jahre der Depression hat unsere Regierung noch nicht in den Griff bekommen und durch restriktive Politik der Banken viele gute und ehrliche Bürger in den Schlamm gezogen. Die Gewinne der Banken entstehen scheinbar hauptsächlich durch erzwungene Pleiten, Freistellen von Mitarbeitern, sowie Rationalisierung durch Schließung von Filialen, Verlagerung der Arbeit zum Kunden und nicht durch Leistung aus Leidenschaft. Konzerne sind durch Aktienbesitzer genötigt, immer höhere Eigenkapitalrenditen einzufahren. Dieser Kapitalismus fordert zu viele Arbeitsplätze, obwohl Konzerne Gewinne einfahren wie noch nie. Investoren sind in der Lage, ganze Länder und Währungen in Schieflage zu bringen, wie auch über Betriebe herzufallen, diese auszunehmen und dann das nächste Opfer zu suchen. Die Zahl der Konkurse erreicht jährlich neue Rekordhöhen. Kreative unternehmerische Minderheiten ziehen sich in die innere Emigration zurück. Sie geben Werke oder Filialen auf, ziehen sich ins „Kerngeschäft" zurück und verweigern die Leistung.


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